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Wie die Tagesschau twittert oder #gefahrengebiet vs. #hitzlsperger

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Zuerst einmal: Ich bin eigentlich ein ziemlich liberaler Mensch. Ich versuche mir meine Meinung zu bestimmten politischen Themen durch den „Konsum“ von klassischen Medien (vor allem Print), Blogs und auch Twitter zu bilden. Gerne diskutiere ich auch mit Freunden. Manchmal auch kontrovers.

Was mich in den letzten Tage jedoch etwas erschüttert hat, ist die – sagen wir mal „mangelhafte“ – Berichterstattung des News-Flaggschiffs „Tagesschau“ zu den Ereignissen in Hamburg. Angefangen mit der geplatzten Demo zum Erhalt der „Roten Flora“ bis hin zur Einrichtung eines „Gefahrengebiets“ mitten in der Hansestadt. Sowohl offline (also in der Sendung) als auch online (auf der Plattform) sind nur sehr wenige Informationen und Hintergründe zu diesen Ereignissen zu finden. Die entsprechenden Nachrichten wurden gegen 1:30 Uhr platziert, einer Zeit also, in der die meisten Menschen eher schlafen anstatt vor dem Fernsehgerät verbringen.

Warum ist das so wichtig? Nun ja, Hamburg ist gerade dabei, Bürgerrechte enorm zu beschneiden, vorerst auf unbegrenzte Zeit. Das Vorgehen und die Rhetorik eines manchen Politikers („Denkbar wäre, so der Politiker, unter anderem der Entzug der Fahrerlaubnis oder ein erschwerter Zugang zum Abitur oder Hochschulabschluss.“) zum Geschehen und teilweise auch von berichtenden Medien, erinnert an dunkle Zeiten der deutschen Geschichte.

Mehrere Versuche via Twitter an die durch öffentlichen Gelder finanzierten Topjournalisten, bekannt für Qualität und Seriosität, heranzukommen, scheiterten. Mich würde eine neutrale Berichterstattung sehr interessieren. Eine Reaktion, Fehlanzeige – trotz etlicher Retweets, Favs und weitere @s.

Nun ja, nicht so schlimm, bleibt ja noch die Hoffnung, die virtuosen Turbojournalisten der Tagesschau nutzen die Möglichkeiten des sogenannten „data driven journalism„.

Bingo: #hitzlsperger hat es mit einem Outing (hierfür jetzt einmal eine unironische Respektsbezeugung, im homophoben Fußballgeschäft die Hose herunterzulassen) in die Tagesschau geschafft. Glückwunsch. Immerhin wurden 10k Tweets mit dem #hitzelberger im digitalen Äther von Twitter getaggt. Nicht schlecht. #gefahrengebiet hatte es in den letzten 48 Stunden vor #hitzlsperger nur auf 30k gebracht. Der Nachrichtenwert liegt also klar beim Ex-Fußball-Profi – nicht!

Auch international (abgesehen von einer Reisewarnung der US-Botschaft bezogen auf Hamburg) liegt #gefahrengebiet weit vor #hitzlsperger.

gefahrengebiet on Twitter Trendsmap kleinhitzelsberger on Twitter Trendsmap klein

Fazit: Mal wieder alles richtig gemacht. Die Tagesschau beherrscht den Dialog in den sogenannten „neuen Medien“ ebenso wie innovativen Journalismus. Fantastisch. Da weiß ich wenigstens, für was die Zwangsabgabe an die öffentlich rechtlichen Sendeanstalten gut ist. Fortbildung. Bis dahin schauen wir einfach Brisant oder Verbotene Liebe.

Liebe @tagesschau, mich würde wirklich interessieren, weshalb Prominews anscheinend den Vorrang vor „wichtigen“ Nachrichten bekommen. Was das ganze mit dem „Bildungsauftrag“ einer öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt (Format) zu tun hat. Wieso nichts dazu auf tagesschau.de zu finden ist usw. Was spricht dagegen, die Hintergründe von #gefahrengebiet zu beleuchten?

Und: Warum ist die Tagesschau-Redaktion nicht fähig, in den Dialog mit interessierten Menschen zu treten? Ist das der Journalismus der Zukunft? Ich denke nicht!

Update (1.01.2014): tagesschau.de berichtet nun doch, denn Hamburger Polizei hebt „Gefahrengebiete“ auf. Wenigstens das ist eine Nachricht wert.

Reinhardt Neuhold
Manchmal Speaker, meistens Zuhörer. Gründer, Gesellschafter und Geschäftsführer von Agentur Gerhard.
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