Plattformökonomie, die Zukunftschance für Industrie und Mittelstand

„Digitale Plattformen“ – was ist das?

Die Digitale Transformation von ganzen Branchen schreitet voran. Unternehmen richten sich neu aus, setzen auf andere Geschäftsmodelle oder optimieren das klassische Geschäftsmodell für die digitale Zukunft.

Die sogenannte „Plattformökonomie“ scheint der Schlüssel zum Erfolg. Fünf der zehn wertvollsten Unternehmen der Welt basieren bereits auf einer digitalen Plattform.

Der etwas ältere Begriff der Net Economy (Netzwerkökonomie) beschreibt bereits einige Entwicklungen, die grundlegend für hoch skalierbare Geschäftsmodelle basierend auf der Plattformidee sind. Welche Wertschöpfungen können Plattformen leisten?

  • Strukturierungswert: In diesem Fall schafft ein Onlineangebot einen Überblick über eine Vielzahl von Informationen, die sonst nur sehr mühselig zu beschaffen wären.
  • Selektionswert: In diesem Fall schafft ein Onlineangebot die Möglichkeit, über Datenbank-Abfragen für die Nachfrager die gewünschten Informationen/Produkte/Dienstleistungen gezielter und effizienter zu identifizieren.
  • Matchingwert: In diesem Fall schafft ein Onlineangebot die Möglichkeit, Anfragen von Anbietern und Nachfragern effizienter und effektiver zusammenzuführen.
  • Transaktionswert: In diesem Fall schafft ein Onlineangebot die Möglichkeit, ein Geschäft effizienter und effektiver zu gestalten (z.B. Kostenaspekt oder Bezahlmöglichkeit).
  • Abstimmungswert: In diesem Fall schafft ein Onlineangebot die Möglichkeit, dass verschiedene Anbieter ihr Leistungsangebot effizienter und effektiver miteinander verzahnen können. Damit wird ein Abstimmungswert geschöpft.
  • Kommunikationswert: In diesem Fall schafft ein Onlineangebot die Möglichkeit, dass verschiedene Nachfrager effizienter und effektiver miteinander kommunizieren können.

Aber was ist das überhaupt, eine Plattformökonomie? Welche Netzwerkeffekte lassen sich wie bündeln, dass etwas neues, mehrwertiges entsteht?

Noch nicht ganz in der Zukunft angekommen

Die Idee der Netzwerkökonomie und digitalen Plattformen, über die Geschäftsmodelle skaliert ausgerollt werden können, hat es bisher nicht ganz leicht in Deutschland bzw. Europa.

Zumindest läuft es in Deutschland mit dem Thema „digitale Transformation“ nicht ganz so rund bisher, wie der Branchenverband Bitkom in einer aktuellen Befragung von über 500 Geschäftsführern festgestellt hat.

Die größten Schwierigkeiten gibt es demnach bei Datenschutz und IT-Sicherheit, beim Personal sowie bei internen Abstimmungen.

  • So geben jeweils 4 von 10 Unternehmen an, dass die Anforderungen an den Datenschutz (38 Prozent) sowie die IT-Sicherheit (37 Prozent) die digitale Transformation behindern.
  • Jeweils 3 von 10 Unternehmen sagen, es fehle an Akzeptanz in der Belegschaft (29 Prozent) sowie geeigneten Fachkräften mit Digitalkompetenz (28 Prozent).
  • Ähnlich häufig werden fehlende Vorgaben aus der Geschäftsleitung (27 Prozent) und langwierige Entscheidungsprozesse (25 Prozent) beklagt.
  • 16 Prozent sehen sich durch eine fehlende Investitionsbereitschaft behindert.

(Erhebung aus 2017)

Digitalstrategie als Erfolgs-Faktor

Oft fehlt eine Digitalstrategie als Grundlage für eine strukturierte Vorgehensweise:

„Jedes Unternehmen muss für sich eine Digitalstrategie entwickeln. Wenn erst einmal klare Ziele festgelegt sind, wird die Abstimmung im Unternehmen viel einfacher“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder.

Dabei ist es v.a. zentral, ob und wie die Mitarbeiter der Unternehmen mitgenommen werden. Ein klassisches Change-Thema möchte man meinen:

„Teil einer Digitalstrategie sollte auch die Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern sein. Wer über qualifiziertes Personal verfügt, der kann auch mit Anforderungen durch den Datenschutz und mit dem zentralen Thema IT-Sicherheit deutlich besser umgehen“, so Rohleder weiter.

Digitale Plattformstrategie als zentraler Baustein bei der Digitalisierung und Transformation

Nicht selten wird in Diskussionen und Gesprächsrunden zu neuen Geschäftsmodellen der Begriff der „Plattformökonomie“ verwendet. Nur schade, dass der Begriff bei den Entscheidern nicht hinlänglich bekannt ist.

„Die Plattformökonomie ist der gewaltigste Umbruch für das Bankgeschäft.“

Christian Sewing, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Bank AG, im Gespräch mit Ingo Zamperoni, Moderator der „Tagesthemen“, über digitalen Wandel im Bankgewerbe.

Lediglich 34 Prozent der Top-Manager von Unternehmen mit 20 bis 499 Mitarbeitern kennen den Begriff. Bei Unternehmen ab 500 Beschäftigten sind es dann schon 52 Prozent.

Bezogen auf die Bekanntheit in der Industrie bei 41 Prozent und dem Handel bei 34 Prozent sowie 32 Prozent bei Dienstleistern ein respektabler Wert, aber dennoch zu niedrig.

Das Plattform-Konzept ist simpel und deshalb genial

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie definiert die Plattformökonomie folgendermaßen:

„Ein Grundprinzip dieser sogenannten digitalen „Plattformökonomie“ besteht darin, eine Vielzahl von (unterschiedlichen) Anbietern mit ihren Angeboten zusammenzubringen und sie unterschiedlichen Kunden auf einer gemeinsamen Plattform anzubieten. Dabei steigt die Attraktivität der Plattform für die eine Gruppe (z. B. App- Entwickler), je mehr Akteure der anderen Gruppe die Plattform nutzen (z. B. App-User) und umgekehrt (sogenannter Netzwerkeffekt).

Die dazugehörigen Geschäftsmodelle sind umso erfolgreicher, je besser es gelingt, geeignete und attraktive Gesamtsysteme („digitale Ökosysteme“) zu schaffen, die für die Kunden einen echten Mehrwert bieten.

Ein Beispiel hierfür ist der Konzern Apple, der eine eigene Plattform betreibt und diese für Content-Anbieter öffnet. Apple war mit der Einführung des iPhones und iPads deshalb so erfolgreich, weil diese Geräte, gekoppelt mit dem eigenen App-Store, Zugang zu einem „Universum an Möglichkeiten“ bieten.“

Allgemeiner noch beschreibt issue.org digitale Plattformen:

“These digital platforms are diverse in function and structure.

  • Google and Facebook are digital platforms that offer search and social media, but they also provide an infrastructure on which other platforms are built.
  • Amazon is a marketplace, as are Etsy and eBay.
  • Amazon Web Services provides infrastructure and tools with which others can build yet more platforms.
  • Airbnb and Uber use these newly available cloud tools to force deep changes in a variety of incumbent businesses.

Together they are provoking reorganization of a wide variety of markets, work arrangements, and ultimately value creation and capture.”

Folgenden Funktionen und folgenden Nutzen bringen Plattformen also mit sich (World Economic Forum):

  • Improving connections with people: e.g. messaging friends on WhatsApp or using LinkedIn to build an online profile.
  • Gathering and sharing information efficiently: e.g. using Google Maps to check the driving time between two places or uploading inspirational YouTube videos.
  • Efficiently match supply and demand: e.g. booking an Uber taxi or online shopping for delivery within an hour with Instacart.

Beispiele in Deutschland für Ansätze der Plattformökonomie und deren Wertschöpfung

Alles schön und gut, aber Beispiele statt Definitionen machen es oft griffiger. Ich habe hier ein paar Beispiele der Plattformökonomie zusammengetragen und zwar aus dem deutschen Markt.

V.a. auch der deutsche Mittelstand steht vor der Herausforderung, durch digitale Plattformen das Produkt- oder Serviceangebot zu erweitern, um neue Geschäftsmodelle zu erproben.

Beispiele von Plattformbetreibern aus der B2B Welt:

1. Klöckner & Co SE

Der Konzern baut eine eigene Plattform für die Stahlindustrie im Internet auf, über die sich Stahlproduzenten und -verarbeiter verbinden sollen.

Ziel sei es, 2017 rund 10 Prozent und bis 2019 mehr als die Hälfte der Umsätze online zu erzielen, sagte Vorstandschef Gisbert Rühl auf cio.de.

In der Strategie heißt es weiter: Die von Klöckner entwickelte Vision einer Industrieplattform für die Stahl- und Metallbranche zielt darauf ab, die Informationsasymmetrien durch die digitale Vernetzung aller Marktteilnehmer zu beseitigen und damit die Effizienz für alle Beteiligten deutlich zu erhöhen.

2. Adolf Würth GmbH & Co. KG

„Mit Wucato können wir auf die Entwicklungen am Markt reagieren, welche durch die Digitalisierung und das sich verändernde Beschaffungsverhalten unserer Kunden getrieben sind.

Mit Wucato bieten wir unseren Kunden eine einzigartige Einkauf- und Beschaffungsplattform und machen einen großen Schritt im Ausbau unserer digitalen Wettbewerbsfähigkeit“, so Bernd Herrmann, Mitglied der Konzernführung der Würth-Gruppe.

3. Bosch Software Innovations GmbH

In der Bosch IoT Cloud betreibt das internationale Technologie- und Dienstleistungsunternehmen unterschiedliche Anwendungen aus den Bereichen vernetzte Mobilität, vernetzte Industrie und vernetztes Gebäude.

„Wir bieten ab sofort alle Trümpfe für die vernetzte Welt aus einer Hand. Die Bosch IoT Cloud ist das letzte Puzzleteil in unserer Softwarekompetenz. Wir sind jetzt ein Full-Service-Provider für Vernetzung und das Internet der Dinge“, sagt Bosch-Chef Dr. Volkmar Denner.

4. Siemens AG

MindSphere ist das cloudbasierte, offene IoT-Betriebssystem von Siemens, das die Verbindung von Maschinen und physischen Infrastruktur zur digitalen Welt ermöglicht.

MindSphere bietet nahtlose Konnektivität zwischen datenbasierten Diensten von Siemens und denen von Drittanbietern. Zudem ist es Ihnen möglich, Ihre eigenen Anwendungen und Dienste nahtlos zu integrieren.

5. TRANSPOREON GmbH

Das Unternehmen betreibt die Logistikplattform TRANSPOREON, die Ausschreibungsplattform TICONTRACT sowie die Handelslogistik-Plattform MERCAREON.

Aktuell sind über 1000 Verlader, 55.000 Speditionen und 100.000 Nutzer in mehr als 80 Ländern an die Plattformen der Gruppe angebunden.

Über die webbasierten Lösungen können Ausschreibungen, Auftragsvergabe, Zeitfensterbuchung sowie Tracking & Tracing einfach und effizient durchgeführt werden.

6. Bayer Digital Farming GmbH

Mit unterschiedlichen Angeboten beackert „Bayer Digital Farming“ (nicht mehr aktuell, Stand April 2020) die Digitalisierung in der Landwirtschaft.

„Die Landwirtschaft ist im Umbruch: Hochautomatisierte Traktoren und Erntemaschinen sind mit einer Vielzahl von Sensoren ausgerüstet. Auch auf unbemannte Luftfahrzeuge und sogar Satelliten lässt sich immer weniger verzichten. Dass detaillierte Feldbeobachtungen direkt auf dem Laptop oder Tablet des Landwirts erscheinen, wird sich schon bald als Standard etablieren.“

Die Plattform ist geschlossen, bildet jedoch bereits die Potenziale eines digitalen Ökosystems ab.

7. FashionCloud GmbH

Das Fashion/Retail Tech Start-up aus Hamburg mit dem Ziel eine digitale Plattform zu schaffen, auf der Modemarken und Händler Marketingmaterial und Produktdaten schnell und einfach miteinander teilen können.

„Unsere Vision? Eine lebendige Wholesale Community, in der alle Akteure nahtlos zusammenarbeiten! Gemeinsam mit unseren Brands und Händlern nähern wir uns diesem Ziel Schritt für Schritt.“

Der Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (BDI) bietet einen guten Überblick für Plattformökonomie made in Germany

Um für die Plattformidee zu werben, hat der BDI ein Paper über deutsche Konzepte der Plattformökonomie zusammengestellt.

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Der BDI sieht in digitalen Plattformen das dominierende Geschäftsmodell der digitalen Wirtschaft:

Digitale Plattformen sind Intermediäre, die mit Hilfe von digitaler Technologie zwei oder mehr Marktteilnehmer über die Plattform verbinden und deren Interaktion vereinfachen oder sogar erst ermöglichen. In den vergangenen Jahren sind sie zu einem dominierenden Geschäftsmodell der digitalen Wirtschaft geworden.

bdi.eu

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Quellen: Welt, Bitkom, t3n, World Economic Forum, issues.org, heise, Roedl, Holger Schmidt, unsplash, wirtschaftslexikon.gabler.de

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