7 Gründe warum die Digitale Transformation von Non-Profit Organisationen längst überfällig ist

Die Digitale Transformation ist nicht nur für profitorientierte Unternehmen über kurz oder lang eine Notwendigkeit, um zukunftsfähig zu bleiben. Auch gemeinnützige Organisationen müssen auf Dauer Transformationswillen beweisen. 

Selbst wenn in den letzten Jahren Bewegung in die Digitale Transformation von gemeinnützigen Organisationen gekommen ist, bleiben weitreichende Transformationsbemühungen die Ausnahme. Akteure des dritten Sektors fokussieren sich oft nur auf den Einsatz digitaler Technologien.

Dabei gibt es gute Gründe, warum die umfassende Digitale Transformation von Non-Profit Organisationen längst überfällig ist. Soziale Innovation ist nur einer davon.

#1 NPOs operieren in einem wettbewerbsgetriebenen Markt

Gemeinnützige Organisationen sind zunehmend in einem wettbewerbsgetriebenen Markt angesiedelt. Auch wenn die Begriffe „Wettbewerb“ und „Konkurrenz“ unserer Erfahrung nach von NPOs eher vermieden, oder sagen wir, nur zögerlich verwendet werden, spricht die Realität eine andere Sprache: Social Startups, Social Businesses, Social Entrepreneurs und Purpose-orientierte Unternehmen positionieren sich zunehmend in klassischen Dienstleistungsbereichen von gemeinnützigen Organisationen. 

Gleichzeitig bringen junge NPOs ein ausgeprägtes digitales Mindset mit und verstehen es von Haus aus, innovative Services und Produkte zu entwickeln und reichweitenstarke digitale Kommunikationskanäle zielgruppenspezifisch zu bespielen. Das erhöht den Wandlungsbedarf von transformationsträgen Organisationen, um am Puls der Zeit zu bleiben. 

Die skizzierte Ausdifferenzierung von neuen Marktteilnehmern und der damit einhergehende quantitative Anstieg potenzieller Einsatzmöglichkeiten für Engagamentinteressierte, wird auch zu einem zunehmenden Wettkampf um die Ressource Freiwillige führen.

#2 Digitale Plattformen übernehmen klassische Funktionen von NPOs

Eine traditionsreiche Funktion von vielen Non-Profit Akteuren, gerade im Wohlfahrtsbereich, besteht im Matching von Unterstützungssuchenden und Unterstützenden. Diese Funktion wird im digitalen Zeitalter von digitalen Plattformen automatisiert übernommen. Ein Beispiel: Auf betreut.de finden Unterstützungssuchende durch die Eingabe von spezifischen Anforderungskriterien in nur wenigen Klicks passende Unterstützende – von der Kinder- und Seniorenbetreuung bis zur Nachhilfe.

In dieser Entwicklung liegt aber auch eine Chance für gemeinnützige Akteure: Durch die „Automatisierung“ von Funktionen kann die Effizienz gesteigert werden.  

#3 Engagement ist außerhalb von Organisationen möglich

Digitale Plattformen und weitere digitale Entwicklungen, ermöglichen es Engagement-Interessierten, zu unterstützen. Und zwar entkoppelt von einer Mitgliedschaft in einer gemeinnützigen Organisation und damit oft einhergehenden langwierigen, bürokratischen Prozessen. 

Ob per Livestream Pinguine für die Forschung zählen oder organisiert über eine App, den Einkauf für eine hilfsbedürftige Person miterledigen: Das „Ehrenamt“ kann digital gefunden, organisiert oder sogar via digitaler Kanäle ausgeführt werden. 

Gespräche mit Freiwilligen haben uns gezeigt, dass bei Jüngeren der Bedarf nach Flexibilität, einem kurzfristigen und zum Teil auch niederschwelligen Engagement vorhanden ist. Das Gottlieb Duttweiler Institute spricht in diesem Kontext von den „Neuen Freiwilligen“. Gegenwärtig werden die neuen Anforderungen hinsichtlich des gesellschaftlichen Engagements oft durch Engagamentmöglichkeiten außerhalb der gemeinnützigen Mitgliederorganisationen erfüllt.

Dabei liegt im digitalen Engagement auch eine Chance für gemeinnützige Organisationen: Sie können diese Engagementform als Rekrutierungstool auf der Suche nach neuen Freiwilligen nutzen. 

#4 Selbstorganisation im Aufwind

Non-Profit Organisationen verfolgen, organisieren und verbreiten im Rahmen ihrer Programme und Projekte Anliegen, die dem Wohl der Allgemeinheit dienen sollen.

Digitale Kanäle, wie Social Communities oder Messenger-Dienste, und digitale Plattformen bieten zahlreiche Funktionen:

  • Reichweitengenerierung,
  • Mobilisierung von Unterstützenden,
  • Vernetzung,
  • Community-Building,
  • transparente Kommunikation. 

Individuen und lose Gruppen werden durch die digitalen Möglichkeiten zu Initiatoren, Koordinatoren und Promotern gemeinnütziger Anliegen.  

Nachbarschaftsnetzwerke gehören sicher zu den bekanntesten Beispielen der digital-getriebenen Selbstorganisation und Mobilisierung: Sie agieren abseits klassischer organisationaler Strukturen. 

#5 Digital ist (zunehmend) Mainstream bei Zielgruppen und Stakeholdern

„Unsere Zielgruppe ist nicht digital.“ Ein Satz, den wir in unseren Projekten im Non-Profit Bereich häufig hören. Bei profitorientierten Unternehmen übrigens auch. Es geht nicht darum, Zielgruppen und Stakeholder als pauschal digitalisiert zu betrachten. Es geht darum, Veränderungen im Mediennutzungsverhalten rechtzeitig zu erkennen und frühzeitig zu adressieren. Bevor Zielgruppen und Stakeholder sich durch andere Organisationen besser verstanden und abgeholt fühlen. 

Im digitalen Zeitalter lernen wir im Beruf und durch die Nutzung von digitalen Services, digitale Strukturen, Kanäle und Formate kennen und ihre Einfachheit schätzen. Das “Gelernte” übertragen wir in Anforderungen gegenüber anderen Organisationen:

  • Wir bevorzugen den Chat anstelle eines Telefonats.
  • Wir erwarten eine Online-Beratung anstatt eines Vor-Ort-Termins.
  • Wir rechnen mit einem Online-Antrag und keinem Brief per Post.
  • Wir wollen eine on-demand Online-Schulung absolvieren und nicht einen fest terminierten Präsenzkurs.

Dementsprechend verändern sich die Anforderungen der Unterstützungssuchenden an die Dienstleistungen von gemeinnützigen Organisationen. Und Netzwerkpartner, Spender, Förderer sowie potenzielle Mitarbeitenden haben auch „neue“ Erwartungen.

#6 Digitale Services mit Mehrwert ergänzen das Dienstleistungsportfolio 

Viele gemeinnützige Organisationen haben feste Säulen in ihrem Dienstleistungsportfolio. Sie schulen beispielsweise Blinde gezielt für Bewegungsabläufe im Alltag oder unterstützen aktiv bei Alltagserledigungen. Diese Unterstützung kann allerdings nicht 24/7 gewährleistet werden. 

Hier können digitale Angebote eine sinnvolle Ergänzung bieten. Bleiben wir bei unserem Beispiel: BeMyEyes ist eine App, mit der Blinde durch die Augen anderer “sehen” können.

Die Mechanik dahinter ist einfach und verzichtet auf komplexe Technologien. Die blinde Person, die beispielsweise wissen möchte, wie lange die Milch noch haltbar ist, startet über die App einen Livestream mit einem Mitglied der BeMyEyes Community (mit über 2 Mio. Freiwilligen). So kann der oder die Freiwillige den Gegenstand sehen und die fehlende Information an die blinde Person weitergeben.

#7 Mit digitalen Werkzeugen mehr Outcome erreichen 

Durch den gesellschaftlichen Wandel, den Klimawandel und weitere Entwicklungen unserer heutigen Zeit, werden die ToDos für gemeinnützige Organisationen nicht weniger. Das digitale Zeitalter offeriert Werkzeuge und Herangehensweise, die die Effizienz des Handelns erhöhen können – und mehr Zeit für andere Aufgaben schaffen.

So haben wir beispielsweise in einigen unserer letzten Projekte gelernt, dass für viele Hilfswerke und ihre Mitarbeitenden und Freiwilligen, der persönliche Kontakt und die gemeinsame Aktivitäten mit Hilfsbedürftigen zu kurz kommen.

Genau hier kann die Digitale Transformation ansetzen: 

  • Definierte Arbeitsprozesse digitalisieren, 
  • Mitarbeiter und Freiwillige durch digitale Mittel entlasten,
  • mehr Raum für das Persönliche in der analogen Welt schaffen,
  • Unterstützung und Maßnahmen schneller umsetzen.

Das sind nur einige Beispiele für Potenziale im Bereich der Digitalen Transformation von gemeinnützigen Organisationen. 

Es gilt, die richtige Strategie für die Digitale Transformation der eigenen Organisation zu erarbeiten. Die Entwicklungen eines gemeinschaftlichen und ganzheitlichen Verständnis spielt dabei eine große Rolle: Es muss über die Digitalisierung, den Einsatz von digitalen Technologien, hinausgehen. Nur so können Non-Profit Organisationen dem zunehmenden Wettbewerb standhalten.

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Photo by Headway on unsplash.com

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