Je differenzierter das Geschäftsmodell, desto sicherer der nachhaltige Erfolg

Die Medienlandschaft in Deutschland verändert sich durch die Digitalisierung und nun auch zusätzlich durch Corona rasant – wie im vorherigen Artikel beschrieben. Die großen US-Tech-Mediahäuser vereinen je länger desto mehr die Werbeausgaben der deutschen Unternehmen.

Die großen Tech-Medienhäuser haben noch eine andere Gemeinsamkeit, die ihren Erfolg auf Jahre hinaus sichern wird:
Ein sicheres, weil differenziertes Geschäftsmodell.

Facebook ist noch die Ausnahme

Die grosse Ausnahme stellt dabei Facebook dar. Noch.

visualcapitalist.com zeigt in fünf Kuchengrafiken sehr schön auf, wie die 5 großen US-Tech-Konzerne – Amazon, Apple, Alphabet (Google) und Facebook – ihre Erlöse erzielen. Dabei ist sofort klar ersichtlich, dass alle mehrere Erlösquellen haben – bis auf Facebook. Facebook erwirtschaftet zurzeit noch 98.5% seines Umsatzes über nur eine Erlösquelle – die Werbung über die eigenen Plattformen.

Jahre für die Differenzierung des Geschäftsmodells

Auch die anderen 4 Konzerne haben zu Beginn nur wenige Erlösquellen gehabt. Exemplarisch und sehr gut vergleichbar mit Facebook ist Alphabet. Vor 10 Jahren war der Werbeumsatzanteil bei 96% des Gesamtumsatzes. Der Anteil von Google Adwords, und damit ihrer Suchmaschine als Ursprung und Grundlage ihres Erfolgs, lag bei 66% des Gesamtumsatzes.

In den letzten 10 Jahren konnte der Konzern seine Geschäftstätigkeiten und damit die Erlösquellen differenzieren. Dabei und dadurch wurde 2015 aus Google der heutige Konzern Alphabet.

Die Werbung ist auch heute noch die größte Erlösquelle des Konzerns. Es gelang dabei jedoch eine Differenzierung auf verschiedene Werbekanäle. Die Suchmaschinen-Werbeerlöse sind zwar immer noch essentiell – mit Youtube und Google Maps haben sie jedoch bereits weitere Zugpferde etablieren können. Dazu konnten sie erfolgreich das Cloud Computing aufbauen und investieren in neue, komplett andere Geschäftstätigkeiten wie Nest (Smart Home Products) und Waymo (Self Driving Cars) – welche bereits heute Erlöse generieren und ein Versprechen für die Zukunft darstellen.

Auch Dinosaurier können überleben

Auch Microsoft hatte bravourös die Wandlung vollzogen. In den 2000er-Jahren war die Umsatzquelle des Konzern klar die Microsoft Betriebssysteme und Softwares, allen voran die Office- und Server-Produkte. Heute machen Windows und Office noch 41% der Unternehmenserlöse aus. Besonders im Cloud-Computing-Geschäft konnten sie in rasanter Geschwindigkeit aufholen, und sind heute zusammen mit Amazon, und noch vor Google, führend.

Klumpenrisiko minimieren hilft

Wie Alphabet mit der Werbung hat auch Apple mit den iPhone-Erlösen ein Klumpenrisiko. Insbesondere auch, weil daran die anderen Erlösquellen hängen, wie die der Services mit App Store und Apple Music. Würden sie bei den Smartphones schnell an Marktanteilen verlieren und die Verkäufe entsprechend zurückgehen, oder gar durch eine neue Technologie disruptiert werden, würde sich die Erlössituation schnell ändern.

Von den vier Konzernen hat Apple klar das am wenigst differenzierteste Erlösmodell – viel hängt von ihren Hardware-Produkten, insbesondere dem iPhone, ab.

Marktmacht als Strategie

Facebook, als fünfter Konzern in diesem Beispiel, investierte in den letzten Jahren in Zusatzangeboten zu ihren bestehenden Plattformen – wie u.a. Giphy. Dazu haben sie begonnen, nahezu alle ihre Plattformen mit Werbeerlösen zu monetarisieren. Dabei ist das Potential sicherlich noch nicht ausgeschöpft – u.a. bei WhatsApp.

Geschickt und erfolgreich kopieren sie dazu immer wieder Funktionen von aufkommenden Plattformen – wie z.B. von Snapchat. Ihre Strategie scheint entsprechend zunächst zu sein, ihr Imperium der Social Media Plattformen zu stärken und zu erweitern. Dies als Grundlage, damit sie weiterhin auf eine sehr große Kundenbasis zurückgreifen können. Dieser enormen Kundenbasis können sie in Zukunft neue Angebote, und damit für sie neue Erlösquellen, anbieten – wie z.B. Facebook Pay inkl. dem Libra Network, als Einstieg in den Krypto-Zahlungsverkehr – Social Media Provider und Payment Provider aus einer Hand.

Differenzierung zur Sicherstellung des nachhaltigen Erfolgs und Überlebens

Wie die Beispiele sehr schön aufzeigen, ist die Differenzierung des Geschäftsmodells und der Erlösquellen die Sicherstellung des nachhaltigen Erfolgs – und damit des Überlebens im digitalen Zeitalter.

Selbst wenn ein Konzern von seiner Marktmacht und deren Langfristigkeit überzeugt ist, geht er Risiken ein – wie Facebook.

Eine Veränderung der rechtlichen Rahmenbedingungen (z.B. Datenschutz), Zweifel der Kundschaft an dem Nutzen (wie z.B. der Wirksamkeit des Werbe-Targetings) oder das Aufkommen von neuen beliebten Angeboten für die Endkonsumenten, kann ein Geschäftsmodell, welches von einem oder wenigen Erlösquellen oder wenigen eigenen Plattformen abhängig ist, schnell gefährden.

Die finanzielle Kraft, die Marktmacht um jeden Preis zu halten, kann Facebook sicherlich helfen. Ob Facebook dazu auch beginnen wird, andere neue Erlösquellen zu finden und dadurch ihr Geschäftsmodell zu differenzieren, bleibt spannend zu beobachten. Ebenso bei Apple, die sogar über noch umfangreichere finanzielle Reserven für Zukäufe verfügt.

Für jedes Unternehmen ist es im digitalen Zeitalter empfehlenswert, den eigenen Unternehmenserfolg nicht nur auf ein Geschäftsmodell auszurichten. Fokussieren ist fürs schnelle Vorwärtskommen wichtig, Differenzieren bei den Erlösen kann langfristig überlebensnotwendig sein.

How Big Tech Makes Their Billions Photo by Markus Spiske on Unsplash

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Damian Kirtz
Damian Kirtz
Fokus auf Strategie. Konzeption. Innovation. Immer schweizerisch freundlich, kritisch (hinter-) fragend sowie vernetzt- & querdenkend unterwegs.
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